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IMG_1351Ich kann Euch sagen: Man wird verdammt erfinderisch. Kaum ist man in einer festen Beziehung oder Ehe, Anfang 30, seit ein paar Jahren erfolgreich im Job – zack! – kommen die lieben Verwandten (allen Menschen, die sich befähigt fühlen, intimste Fragen zu stellen) und begrüßen einen nur noch mit einem Blick auf den Bauch. Wenn sie dann einen ganz besonders mutigen Tag haben, fragen sie auch gerne mal unverblümt nach: Du bist ja gar nicht schwanger – wollt Ihr denn etwa gar kein Kind?!

Bähm! Das sitzt! Das sitzt sogar ganz besonders, wenn man selbst sich sehnlichst ein Kind wünscht, übt – und Monat für Monat enttäuscht wird. Was soll man dann sagen? Verdammt – wir üben und es klappt nicht? Ich kann Euch sagen: Ich habe das probiert. Und ich habe es bald wieder gelassen, weil ich auf das, was dann kam nicht vorbereitet war: Mitleid, Mitgefühl und schließlich eine ganze Reihe wohlmeinender aber oft nicht hilfreicher Tipps.

Ich glaube ernsthaft, dass es keine Tipps gibt, die ich in all den Jahren der Kindersehnsucht nicht gehört habe. Mein Favorit:

„Ich habe da von einem ganz tollen Tee gehört. Die Tochter der Freundin der Cousine der Nachbarin ist davon sofort schwanger geworden.“

Weniger innovativ aber auch sehr häufig sind „Entspannt Euch! Dann wird das Kind kommen “ und „macht doch mal Urlaub – Ihr arbeitet aber wirklich auch zu viel“.

Ob das hier hilfreich ist: „meine Freundin hat auch lange gewartet. Kaum hat sie ein Kind aus xy adoptiert, ist sie schwanger geworden“?

Eine Bitte: Wer ganz tolle, besondere, einzigartige, kreative Tipps hat schickt mir eine Mail an franziska.ferber(at)kindersehnsucht.de.

Ich verspreche Euch, wer sich vor der offenen Bekundung zur Kindersehnsucht scheut – bspw. weil man dem Chef das ja nicht sagt aus Sorge vor einer „die ist eh’ bald weg – die brauchen wir nicht mehr zu (be-)fördern“-Aussage, wird sich lauter spannende Argumentationsketten ausdenken, die den „nicht schwanger“-Bauch erklären. Hach, die reichen von einer anstehenden größeren zahnmedizinischen Behandlung, über spannende Projekte im Job, die man erst einmal abschließen möchte bis hin zu einer bereits gebuchten Auslandsreise, während der man ja wegen der Flugreise und der nötigen Impfungen besser nicht schwanger sein sollte. Und so geht Monat für Monat ins Land.

Und irgendwann reicht es. Man muss sich entscheiden: Sprechen wir mit den uns lieben Menschen, zumindest, offen über das Thema oder verkaufen wir weiter unsere Seele, in dem wir uns noch spannendere, nie-gehörte Begründungen einfallen lassen.

Ich habe mich für dafür entschieden, offen über meinen Wunsch nach einem Kind zu sprechen. Warum? Weil ich einfach keine Lust mehr hatte – keine Lust, Geschichten zu erzählen, Gründe vorzuschieben und weil ich der Meinung war, dass ich Menschen in meinem Leben verdient habe, denen ich die Wahrheit zumuten kann. Und es war es wert – unzählige liebevolle, zugewandte, verständnisvolle Gespräche haben seitdem meinen Weg bereichert. Und ich danke jedem Einzelnen dafür!

#Tl:dr: Und weil es mir unendlich viel Last genommen hat, offen über meine (unerfüllte) Sehnsucht zu sprechen, habe ich beschlossen, dass ich nicht länger will, dass dies ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft ist. Deshalb habe ich mich entschieden, zusätzlich zu meinem Beruf noch eine mehrjährige Coaching-Ausbildung zu absolvieren, damit ich mit einem ganzen Werkzeugkasten an Methoden mithelfen kann, dass wir in unserer Gesellschaft offen darüber sprechen können, dass das Land zwar mehr Kinder braucht – manchen nicht dazu beitragen wollen.. aber viele es von ganzem Herzen gerne würden und schlicht nich können! Wir dürfen diese Menschen nicht zurücklassen und zum permanenten „Schummeln müssen“ nötigen.

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Kindersehnsucht – Kinderwunsch – München