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Grafik & Design by KissDie FAZ, eine von mir meistens sehr geschätzte Zeitung, beschäftigt sich im Artikel „Die neuen Weltbürger“ (Link: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/reproduktionsmedizin-die-neuen-weltbuerger-13081160.html) intensiv mit den Fragestellungen, die sich aus dem boomenden, internationalen weil globalisierten Kinderwunsch und seinen Folgen (Leihmutterschaft, verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen im Rahmen der Reproduktionsmedizin etc) entstehen. Die Autorin stellt u.a. fest:

„(…) Fest steht, dass durch den reproduktionsmedizinischen Fortschritt neuartige Formen von Elternschaft geschaffen werden, die neue Regelungen erfordern. Wo das menschliche Leben nicht mehr spontan mit dem sexuellen Akt zwischen Mann und Frau beginnt, aus Liebe und Lust; wo der Kinderwunsch stattdessen zum eigenständigen Motiv wird, für das Hormonwerte, technische Interventionen und Apparate eingesetzt werden; da wird aus dem Kind ein rational geplantes Projekt mit zahlreichen Beteiligten: Zunächst die Wunscheltern; dann Samenspender, Eispenderinnen, Leihmütter; dann Ärzte, Klinikpersonal, Finanzgeber und Unternehmer. Sie alle haben Hoffnungen unterschiedlichster Art: Sehnsucht nach Familienleben und Elternglück, Karrierewünsche und Forscherinteressen, die Suche nach Einkommen und Arbeitsplatz, nach Marktnischen und finanziellem Gewinn. Hinzu kommt das Wohl der im Erfolgsfall geborenen Kinder. (…)“
(Quelle: FAZ, 05.08.2014, von Elisabeth Beck-Gernsheim)

Und Ihr seht mich hin- und hergerissen. Ja, ich weiss, wie groß und überwältigend die Sehnsucht nach einem Kind – der Kinderwunsch – sein kann. Ja, ich weiss, dass wir heute in der Lage sind, Menschen zu einem Kind zu verhelfen, für die dies vor Kurzem noch ein unerfüllbarer Traum gewesen ist. Ein Prost auf die Reproduktionsmedizin.

Ich habe auch viele gute Erfahrungen mit verantwortungsbewussten Medizinern in Deutschland machen dürfen, die nicht nur auf den technischen Erfolg ihrer medizinischen Methode Wert legten sondern auch darauf achteten, dass die „Prozesse“ ethisch vertretbar blieben. Und leider: Wir hatten keinen Erfolg.

Natürlich kam damals der Gedanke auf, es im Ausland mit mehr erlaubten technischen Möglichkeiten zu probieren. Und ja, wir haben viele Tage und Nächte und blaue und graue Stunden damit verbracht, uns das zu überlegen und unsere Werte und Haltungen zu hinterfragen. Für uns kam das letzten Endes nicht in Frage. Für uns war klar, dass wir einen ethischen Rahmen wahren wollten, den wir jederzeit vertreten konnten – nicht nur uns selbst gegenüber sondern auch denjenigen, die unsere Familie und Freunde sind… aber v.a. allem auch dem potentiellen Kind gegenüber, das irgendwann Fragen stellt. Wir fühlten uns nicht in der Lage, einem Kind zu erklären, dass wir die Situation einer Frau in der dritten Welt genutzt haben, um ihr „Arbeit“ und damit Lohn und Brot zu verschaffen und ihr dann das ausgetragene Kind wegzunehmen, damit es bei uns in der ersten Welt aufwächst. … oder auch nur deren Eizellen zu verwenden, die unter nicht immer ganz nachvollziehbaren Umständen extrahiert werden. Und es gibt noch unzählige weitere Methoden, die bedacht wurden.

Hin- und hergerissen schreibe ich. Und ja, das meine ich auch. Wie weit darf man gehen, um die eigene Sehnsucht – die so evolutionär ist – zu befriedigen? Was ist richtig – was ist falsch? Wo liegt die Grenze der Moral und der Ethik?

Ich meine, letzten Endes kann es hier kein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ geben. Ich meine, letzten Endes hängt es – wie so oft im Leben – von den Umständen und einer genauen Analyse aller Facetten ab. An die gesellschaftlichen (und christlichen) Werte appelliere ich dennoch nachdrücklich! Ich denke, diese führen weiter als Gesetze dies für den internationalen „Baby-Tourismus“ es jemals tun können.

Wenn ich mich dann als Paar beispielsweise für eine Leihmutterschaft entscheide, tue ich das in dem Wissen – hoffentlich! – ihrer weitreichenden und lebensbegleitenden Aspekte. Dann muss ich auch dazu stehen. Und ich muss dafür gerade stehen. Dann kann ich nicht das gesunde Kind mit nach Hause nehmen und den kranken Zwilling zurücklassen: Da hört’s bei mir auf – spätestens!

PS: Ich kenne aber auch ein Paar, die sehr glücklich mit ihrem kleinen Mädchen, das durch eine Eizellspende innerhalb Europas entstand, sind. Sie wissen schon heute, was sie dem Mädchen sagen werden, wenn es einmal alt genug ist, Fragen zu stellen. Sie werden betonen, dass sie mit allergrößter Mühe eine Spenderin gesucht haben, die unter guten Bedingungen ihre Spende abgeben konnte und sie sie annahmen, weil das kleine Mädchen eben ein unbedingtes Wunschkind war. Und hier weiss ich: Jeder Mensch muss seine eigenen Schritte gehen – nach seinen eigenen Werten, Kräften und ethisch-moralischen Maßstäben.

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Kindersehnsucht – Kinderwunsch – München

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