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Dass ich einmal Kinder haben möchte, war für mich schon immer klar. Und damit wollte ich auch bestimmt nicht „bis auf den letzten Drücker“ warten. Aber wie es sich heraus stellt, kommt es im Leben eben immer anders als man denkt… Gegen Ende meines Studiums lernte ich dann meinen Ehemann kennen und wir wussten sehr bald, dass wir zusammen bleiben möchten und haben auch relativ schnell – nach zwei Jahren – geheiratet. Natürlich war das Thema Kinder für mich von da an präsenter denn je, mehr als für meinen Mann glaube ich im Nachhinein. Ich habe aufgehört zu verhüten und dann haben wir es versucht. Monat für Monat. Wir haben ausgerechnet, wann meine fruchtbaren Tage sind, haben Tests gemacht, wann ich einen Eisprung habe. Nichts. Jedes Monat das Gleiche. Jedes Mal, wenn ich meine Regel bekommen habe, wurde ich trauriger und auch wütender, schließlich schien es so, dass es bei allen anderen in der Familie oder im Freundeskreis problemlos klappen würde.

Nach ein paar Monaten habe ich mich untersuchen lassen – alles in Ordnung. Wenn es nun nicht an mir lag, dann musste es ja wohl…. und so habe ich meinen Mann zum Arzt geschickt, der dann prompt bei ihm Hodenkrebs feststellte. Für uns brach eine Welt zusammen. Es musste schnell gehandelt werden mit Operation und Bestrahlungen. Das Thema Kinder mussten wir dann erst mal hinten anstellen, was mich neben der Sorge um ihn nochmals richtig runter zog. Als er die Behandlungen gut überstanden hatte, bekam ich große Rückenprobleme und musste mich einer Operation unterziehen, schon wieder ein Schritt in die ganz falsche Richtung.

Nach der Reha haben wir dann zum ersten Mal und ganz hoffnungsvoll eine Kinderwunschpraxis aufgesucht – wenn ich damals gewusst hätte, was uns da alles erwartet, wäre ich wohl nicht so überschwänglich gewesen. Wir versuchten es zuerst mit genau getimten Eisprüngen, die ich per Brevactid-Spritze auslösen musste. Das bedeutete Sex nach Terminplan. Das half gar nichts. Nach zwei Inseminationen, die ebenfalls nicht das erwünschte Ergebnis brachten, gingen wir das Projekt IVF bzw. ICSI zum ersten Mal an. Ich kann mich noch gut an die Situation im Aufwachraum nach der Punktion erinnern. Wir waren vier oder fünf Frauen, die anderen mussten diese Prozedur schon öfter über sich ergehen lassen. Da dachte ich immer noch: „bei uns klappt es gleich zum ersten Mal!“ Hat es aber nicht. Mittlerweile waren schon fast zwei Jahre vergangen und wir brauchten erst einmal eine Pause. Die würde ich auf alle Fälle jedem Paar immer wieder in dieser schwierigen Zeit raten, denn anders ist diese Situation auch nicht zu bewältigen. Nach unzähligen Gesprächen, Büchern und Grübeleien wechselten wir dann die Klinik und fingen nochmal ganz von vorne an. Ein Jahr später hatten wir wieder zwei ICSI-Versuche, einer davon endete in einer Fehlgeburt in der 10. Woche, den dritten bzw. das war ja dann schon der vierte habe ich dann erst einmal abgebrochen. Der fünfte brachte ebenfalls nicht das gewünschte Ergebnis. Dem kam noch hinzu, dass ich vor der letzten Punktion hormonell total überstimuliert war und es mir gesundheitlich gar nicht gut ging. Nach fünf Versuchen, die ja alle auch noch viel Geld – bei unserer Konstellation haben die Kassen praktisch nichts gezahlt – und vor allem Nerven, Tränen und viel Energie kosteten, war ich soweit zu sagen, dass es nun gut sein müsse. Dass wir uns mit dem Gedanken abfinden müssten, ein Leben ohne Kinder zu führen.

Da kam auf einmal ein Brief von der Klinik ins Haus. Wir hatten noch drei eingefrorene befruchtete Eizellen dort gelagert und man wollte von uns wissen, wie damit zu verfahren sei. Das war letzten Sommer. Diesmal war mein Mann die treibende Kraft, der noch einen Versuch wagen wollte. Für mich sollte es aber egal wie er ausgeht, nach fünf Jahren des Wartens und der Enttäuschung der letzte sein. Und der war es erst mal auch, denn auf einmal war ich schwanger! Und wie, denn ich habe mich drei Monate nur übergeben. Abgesehen von der Übelkeit war es eine sehr intensive und sehr schöne Zeit, die ich nicht erlebt hätte, hätte ich nicht all die Anstrengungen im Vorfeld auf mich genommen.

Und das Schönste ist im wahrsten Sinne das, was unterm Strich raus kommt: am Wochenende sind wir mit unserer Tochter aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen.

Was waren die größten Hürden im Alltag? In dieser Zeit gibt es viele Hürden, die man überwinden muss: Das beginnt natürlich mit den medizinischen Hürden, die man nur bedingt steuern kann. Für uns als Paar war es eine echte Reifeprüfung, es gab schwierige Phasen auch, weil Männer und Frauen solche Situationen anders verarbeiten und durchleben. Im Nachhinein hat es uns als Paar jedoch noch mehr zusammen geschweißt und gestärkt. Ich liebe meinen Mann nochmal auf eine ganz andere Art und Weise.
Innerhalb der Familie waren nur unsere Eltern eingeweiht, die natürlich auch mitgelitten haben. Was ich als große Herausforderung empfunden habe war, damit im Freundeskreis bzw. in der Öffentlichkeit umzugehen. Derartige Dinge bindet man nicht jedem auf die Nase und deshalb sind Fragen oder Sätze wie „Na, wann ist es denn bei Euch soweit?“ oder „So ein Kind würde Dir / Euch aber auch gut stehen“ lauter kleine Nadelstiche, die man täglich verarbeiten muss. Hinzu kommt noch, dass man von den meisten Menschen als kalte Karrierefrau gesehen wird. Aus diesem Grund haben wir zu vielen Bekannten den Kontakt in dieser Zeit sehr eingeschränkt, man kommt also auch in eine soziale Isolation, aber die ist in solchen Momenten immer noch besser als auf Feiern zu gehen, bei denen nur über Kinderspielzeuge, Krippenplätze und Familienhotels gesprochen wird.

Einen Nutzen aus einem unerfüllten Kinderwunsch zu ziehen, ist für mich schwer, denn im Nachhinein war es eine echt harte Zeit. Ich kann nur nochmals sagen, wir als Paar sind dadurch gewachsen. Wahrscheinlich wäre ich auch beruflich heute nicht da, wo ich bin, nicht, weil ich im Leben andere Prioritäten habe, aber hätten wir früher Kinder bekommen, wären die ersten Karriereschritte später oder nie gekommen. Wenn ich einen schlechten Tag hatte, hat es mir immer geholfen, zu Hause „runter zu kommen“, im Garten, in der Natur mit unserem Hund. Mein Mann hat das ganz anders verarbeitet und von sich aus nicht über seine Gefühle gesprochen, war aber immer da, wenn ich ihn gebraucht habe.

Als Tipp kann ich allen, die in einer ähnlichen Situation sind, nur empfehlen, sich professionelle Hilfe zu holen. Das habe ich nach meiner Fehlgeburt auch getan. Davon weiß auch niemand, denn ich lebe in einem Umfeld, in dem man so etwas nicht tut, „man ist doch schließlich nicht verrückt“. Das bin ich auch nicht, aber es war ein unglaublich tiefer Schmerz, den ich verarbeiten musste, dabei hat mir meine Psychotherapeutin wirklich gut und kompetent geholfen. Und es macht Sinn, weil es einem hilft, nach vorne zu schauen. Weil man weiß, es gibt viele Frauen, denen es ähnlich geht. Das Thema unerfüllter Kinderwunsch ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu, für Familien mit Kindern wird alles getan – und das ist auch gut so – aber die, die sich sehnlichst Kinder wünschen, aber leider keine bekommen haben, werden bewusst oder unbewusst immer noch völlig ausgegrenzt.

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Ich danke Dir, liebe Inge, von Herzen für diese offenen Worte – und das Teilhaben lassen am allerschönsten, denkbaren Ausgang Eurer Kinderwunsch Geschichte! Danke für die berührende Geschichte, die so vielen Mut macht! DANKE!

Übrigens: Mehr über das, was ich Euch zur Unterstützung beim Umgang mit Eurem Kinderwunsch anbieten kann, findet Ihr auf www.kindersehnsucht.de. Übrigens: Ich biete ein kostenloses Kennenlern’-Telefonat an. Und Coaching, Beratung und Begleitung beim Kinderwunsch ist in München in meinem Büro möglich aber auch über Telefon, Skype oder E-Mail. Der Kinderwunsch ist anstrengend! Wollt Ihr weiter warten und alle Kräfte brauchen – oder willst Du Unterstützung dabei haben? Dann meldet Euch: 089/38078816 oder Mail an Franziska.Ferber(@)Kindersehnsucht.de –  worauf wartest Du?

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